Am Sonntag, 6.8.2006 schreibt die NZZ (Neue Zürcher Zeitung) nach dem Konzert der Rolling Stones auf dem Militärflughafen von Zürich – unter dem Titel „Verliert Unterhaltung an wert, muss sie mehr Publikum finden“ – dass „Erlebnis“ zur Commodity wird. Das gilt so wohl für Musik, die bei I-Tunes 1.50 Franken pro Titel und 15 Franken pro Album kostet, wie auch für Events. Auch dort geht es nur noch darum, die Massen anzuziehen, denn mit einem kleinen Kreis an Gästen lässt sich bei dem Einheitsbreit von „Möchtegern-Erlebnis“ nur noch über gigantomanische Aufläufe riesiger Menschenmassen Geld verdienen. Ja Geld verdienen, denn wenn man nicht gerade seinen engsten Freundeskreis zu Gast hat, dann muss man ja auch die Kosten (plus etwas darüber hinaus) für sich einstreichen können.
Es fragt sich da, ob nun die Gäste oder das vermeindliche Erlebnis an solchen Events die Commodity (Einheitsware mit Marktpreis) ist. Beim Stones-Konzert in Dübendorf (der Autor dieser Zeilen war selbst dort), war es wohl eher so, dass die Gäste zur Einheitsware wurden. Das Erlebnis „Rolling Stones – A Bigger Bang“ war wohl vom Bühnenbild her überwältigend, die Show der Personen allerdings wäre auf CD genau so gut rübergekommen. Klar sieht man Jagger und Co. nicht jeden Tag irgendwo auf der Zürcher Bahnhofstrasse. Nur – an einem Konzert mit 65′000 Besuchern – können wohl höchstens die Menschen in den vordersten 10 Reihen am Konzert wirklich sagen: „Ich hab Kieth Richards live gesehen“. Die restlichen 62′873 Personen haben ihn – erkennbar – höchstens auf den Grossleinwänden eindeutig erkannt.
Was hat das nun mit Event-Management und Event-Erlebnissen zu tun? Offenbar sind die Menschen nicht mehr bereit, für einheitliche Events ohne speziellen Inhalt mehr als die üblichen 15 Franken zu bezahlen. Klar, die Stones haben mindestens 160 Franken pro Person allein für das Ticket gekostet, aber da waren eben auch die Stones präsent. Wer von den aktuellen Event-Veranstaltern kann das von sich denn überhaut noch sagen? Aber jetzt Schluss mit Kritik. Die Frage sthet doch im Raum: Was muss ein Event bieten, damit jemand 150 Franken für einen erlebnisreichen Abend ausgibt und am Ende nach Hause fährt und sich sagt: „Das war ja der Hammer, dieses Geld habe ich prächtig investiert, da will ich wieder mal dabei sein.“ Es scheint die grosse Herausforderung der Veranstalter zu werden, ihre Anlässe wieder zu effektiven Erlebnissen zu machen, ihre Gäste wieder zu begeistern und das in einer Art und weise, dass es nicht so einfach durch die Konkurrenz kopierbar sein wird. Nur – wie soll das funktionieren? Wie sieht es da mit der Beziehung zu den Gästen und unter den Gästen aus? Gibt es ein Erlebnis, dass im kleinen Rahmen den besuchenden 150 Franken oder sogar 250 Franken wert ist? So schaffen es z.B. Swingerclubs für ein Besucher-Paar gegen 200 Franken zu verlangen (und zu erhalten). Welche Leistung dahinter steckt, braucht keine weitere Erleuterung. Oder auch exklusive Sercice-Clubs und geschlossenen Gesellschaften mit speziellen Vorlieben schaffen es noch, überdurchschnittliche Preise für den Besuch ihrer Events durchzusetzen.
Bei dieser Betrachtung kriegt der vorgängige Artiel rund um den „Einheitsbrei Events“ verstärkt an Substanz. Es bleibt abzuwarten, was die Veranstaltungsbrache zukünfitg an Substanz ins Feld zu führen vermag. Mit dem bisher gezeigten geht es auf jeden Fall nicht mehr lang erfolgreich weiter: Alles zu vergleichbar, zu austauschbar und zu sehr Commodity.